Die Reise mit dem Gleitschirm um die Welt
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Tag 520, 10.07.2002, leicht bedeckt, 28 Grad
Mit zusätzlichen 15 kg an Lebensmitteln schleppten wir uns frühmorgens durch die Altstadt von Peking zum Hauptbahnhof. Eine knappe Stunde drängten und quetschten wir uns durch die Menschenmassen bis wir unseren Zug und unser Abteil erreichten. Pünktlich auf die Minute trat der Zug seine Fahrt auf der wohl berühmesten Bahnstrecke der Welt - der Transsibirischen Eisenbahn - an. Ganz ehrlich gesagt, die originale Strecke verläuft von Moskau nach Vladivostok, beides in Russland. Wir fahren zuerst die Trans-Mongolische Strecke bevor wir in Ulan Ude auf die "wahre" Strecke treffen. 100 km westlich von Peking bekamen wir noch ein letztes Mal die Chinesische Mauer zu Gesicht, während sich der Zug durch die vielen Täler ins Flachland hinaus schlängelte. Die Landschaft wurde von Kilometer zu Kilometer trockener und einsamer. Nur noch vereinzelte kleine Orte und zwei größere Städte, in welchen rauchende Fabrikschlote ihr bestes gaben, um die Luft so gut wie möglich zu verschmutzen. Der Grossteil der chinesischen Energiegewinnung geschieht durch Kohle, was China zu einem der weltgrößten Luftverschmutzer macht. 9 der 10 meistverpesteten Städte der Welt befinden sich in China! Ein letztes Mal beobachteten wir den Sonnenuntergang im Land des Lächelns, bevor wir gegen Mitternacht die Grenze zur Mongolei erreichten. Hier wurden auch unsere Wagons hydraulisch auf neue Fahrgestelle mit größerer Spurweite gesetzt, die Ex-Sovjetunion, zu welcher die Mongolei einst auch gehörte, verwendet andere Gleise als die Nachbarn und die restliche Welt. Gegen 1.30 Uhr waren auch alle Grenzformalitäten erledigt und wir entfielen in unseren ersten Schlaf im Zug - 4 weitere Nächte sollen folgen....

Tag 521, 11.07.2002, sonnig, 29 - 15 Grad
Stundenlang fährt der Zug durch endlos weite Steppenlandschaft. Nur alle halbe Stunde können wir irgendwo in der Ferne einzelne Menschen, Häuser oder Zelte ausmachen. Einzig Pferde- und Schafherden, Adler, Hasen und uns nicht bekannte grosse Vögel sowie vereinzelt Kamele bringen etwas Abwechslung in das ständig gleiche Bild der Steppe. Kurz vor Mongolei's Hauptstadt Ulan Batar wechselt urplötzlich die Landschaft. Die Wiesen werden grüner, kleinere Hügelketten tauchen auf und auch Wälder und Bäche sind zu sehen. Man könnte glauben, wir befinden uns auf einem grossen Plateau in den Alpen, doch die Häuser oder besser gesagt die Barracken der Mongolen zeigen uns ganz deutlich, daß wir in einem armen und unterentwickelten Land sind. In Ulan Batar verabschiedeten wir die beiden jungen, in Ungarn studierenden Mongolinnen, welchen die ersten 1 1/2 Tage der langen Zugfahrt mit uns im Abteil waren. Der Sonnenuntergang kam leider viel zu früh und so lies sich der Rest der mongolischen Fahrtstrecke nur noch in der Dunkelheit erahnen. Da wir bis Moskau mehrere Zeitzonen durchqueren und auch Sommerzeit oder nicht-Sommerzeit eine Rolle spielen, wissen wir leider nicht, wann der Zug an der mongolisch-russischen Grenze hielt. Auf jeden Fall spät abends und die Grenzkontrollen nicht arg lange. Das sonderbare war, dass die russischen Grenzkontrollen erst 3 Fahrstunden später kamen - was wohl dazwischen für ein Land gelegen haben mag? Auch die Russen waren, wie erwartet, sehr kleinlich, unfreundlich und zu keinem Lächeln aufgelegt.

Tag 522, 12.07.2002, Regen und Sonne, 18 Grad
Der Zug hält an und wir wachen auf - wir sind in Ulan Ude, von nun an sind wir auf der Original-Transsibirischen Eisenbahn unterwegs. Lt. Fahrplan hätten wir gegen 2 Uhr früh hier anhalten sollen, doch da bereits die Sonne schien, müssen wir wohl - egal wie spät es hier ist - Verspätung haben. Ausserdem stellen wir fest, dass unsere "nostalgische" Dampflok durch eine E-Lok ersetzt wurde. Den Vormittag über fuhren wir eigentlich nur am Baikalsee entlang, der zwar nur ca. 70 km breit ist, aber wahrscheinlich über 500 km lang. Was uns bereits auffiel, Russland ist wesentlich mehr besiedelt als die Mongolei, landschaftlich gesehen viel mehr Wald und die Temperaturen eher kühl. Am späten Nachmittag erreichten wir Irkutsk, doch da wir, wie bereits erwähnt, Verspätung haben, auch hier nur ein kurzer Aufenthalt.

Tag 523, 13.07.2002, sonnig, 20 Grad
Zum ersten Mal konnten wir die Nacht durchschlafen, keine Passkontrollen und da wir seit Ulan Batar alleine in dem 4-Bett-Abteil sind, hatten wir auch sonst keinerlei Störungen. Wer sich fragt, was wir so essen - Müsli und H-Milch aus einem westlichen Supermarkt in Peking zum Frühstück, Kaffee oder Tee mit Keksen zu Mittag und eine Fertig-Nudelsuppe zum Abendessen. Am den Bahnhöfen kaufen wir uns - sofern vorhanden - frisches Obst, wie Erdbeeren oder Äpfel. Die Zeit vertreiben wir uns mit Würfeln, Kartenspielen, Lesen und am häufigsten - aus dem Fenster schauen. Doch da ändert sich derzeit nicht viel, Wald, Wald und nochmals Wald. Hin und wieder kleinere Orte, Fabriken und Kinder, die den "Stinkefinger" zeigen oder mit Steinen auf den Zug schmeissen. Einer der Jungs landete einen Treffer und zerschmetterte unser Gangfenster. Der Schaffner meinte, "das kommt in Russland immer vor - kein Grund zur Sorge".

Tag 524, 14.07.2002, bewölkt, 13 Grad
Im Osten nichts neues! Landschaftlich keine grosse Änderung, immer noch viel Wald, hauptsächlich Birken und Nadelbäume. Einziger Unterschied zu gestern, es ist wesentlich kälter. Immer noch keine Mitbewohner - hoffentlich haben wir Glück und sind bis Moskau allein!

Tag 525, 15.07.2002, sonnig, 24 Grad
Moskau - wir sind da! Nach 6 Tagen, 5 Nächten und über 8.700 km erreichten wir unser letztes Reiseziel. Die Fahrt war sehr interessant und da wir die meiste Zeit auch alleine im Abteil waren, auch sehr gemütlich. Der landschaftlich interessantere Teil war wohl der Norden Chinas sowie die Mongolei. Russland war auch schön, aber nicht sehr abwechslungsreich. Es dauerte einige Zeit, bis wir ein einigermassen erschwingliches Hotelzimmer fanden, aber es klappte schlussendlich doch.

Tag 526, 16.07.2002, wolkig, 23 Grad
Der heutige Tag fiel leider der russischen Bürokratie zum Opfer. Unser Transitvisa, gültig für 10 Tage, erlaubt uns zwar, für 10 Tage in Russland zu bleiben, aber nicht länger als einen Tag am gleichen Ort. Sprich: Unser Hotel konnte oder durfte uns nicht weiter beherbergen. Nach einigen Telefonaten mit der deutschen Botschaft und der russischen Immigration war klar, wir müssen die Stadt verlassen. Eine nette Dame der Hotelrezeption, die erstaunlicherweise gutes Deutsch sprach, schickte uns zu einer Behörde, die evtl. eine Verlängerung der Registrierung in Moskau genehmigen könnte. Gesagt getan. Mit der U-Bahn gings in die City zum beschriebenen Amt. Es dauerte einige Zeit, bis wir mit Händen und Füssen erklärten, was unser Problem ist. Aber letztendlich bekamen wir einen Stempel in den Pass, der uns erlaubte, bis Freitag in Moskau zu bleiben. Ein paar Rubel über den Tisch geschoben und alles war paletti! Zum Glück, sonst hätten wir heute Abend noch heimfliegen müssen....

Tag 527, 17.07.2002, sonnig, 24 Grad
Mit unseren drei Zugkollegen, Studenten aus Neuseeland, England und Schweden, erkundeten wir die Stadt. Zuerst zu Lenin's Mausoleum, zum roten Platz und zur berühmten St. Basils Kirche am Ende des Platzes. Ausserdem schlenderten wir an vielen schönen Bauwerken und Kirchen vorbei und besuchten ein paar Museen. Ernähren mussten wir uns von Brot mit Käse und Wurst zum Frühstück und Kebab zum Abendessen, da das Essen in den Restaurants für uns unerschwinglich war. Aber nachdem wir lange Zeit keine ordentliche Wurst und Käse sowie gutes Brot mehr hatten, war es uns mehr als recht.

Tag 528, 18.07.2002, sonnig, 25 Grad
Am Vormittag wollten wir eigentlich den Kreml besuchen, doch der hat Donnerstags immer geschlossen. Alle unsere Pläne durcheinander - so müssen wir morgen früh nochmals in die Stadt fahren, im Schnelldurchgang durch den Kreml düsen, damit wir unseren Flieger nach Hause nicht verpassen. Also bummelten wir am Moskva-Fluss entlang zur relativ neuen Basilika "Church of Christ the Savior" - die schönste Kirche, die wir je gesehen haben! Im Vorbeigehen besichtigten wir noch die Statue Peter's des Grossen am Fluss und fotografierten den Kreml von aussen. Bei diesem herrlichen Wetter macht es echt Spass! Die Temperaturen sind auch wesentlich angenehmer als in Asien. Anschliessend war ein paar Stunden Shopping angesagt, um unsere restlichen Dollar's noch auszugeben. Somit ist unser Budget erschöpft und wir können morgen nach Hause fliegen!

Tag 529, 19.07.2002, sonnig, 25 Grad
Wie gesagt, gleich morgens ging's zum Kreml. Es stellte sich zum Glück heraus, dass die 2 Stunden Zeit, die uns für die Besichtigung blieben, angemessen waren und wir nicht so hetzen mussten. Zurück ins Hotel, Rucksäcke geholt und los zum Flughafen. Es kam uns sehr komisch vor, dass beim Check-in von AUSTRIAN AIRLINES plötzlich alles Deutsch sprach - nach 1 1/2 Jahren Spanisch, Englisch und zuletzt chinesisch und russisch. Pünktlich hob unsere Maschine nach Wien ab, wo wir noch 4 Stunden Aufenthalt hatten, um dann nach Salzburg zu fliegen. Auch dies verlief ohne Probleme und so landeten wir um 21.20 Uhr und wurden von einer Menge Leute empfangen, was uns wirklich sehr, sehr gefreut hat!!!! Sogar Verena's Freundin Andrea war extra aus Peißenberg angereist, um uns zu überraschen. Leider hatte von ihrer Familie keiner Zeit zu kommen. Bei Brandlehner's im Garten wareteten noch mehr Leute und wir feierten mit Grillerei und Leberkäs - extra für uns - bis 2 Uhr früh! Vielen, vielen Dank an alle, die uns empfangen haben und die Überraschungsparty vorbereiteten! Wir haben uns wirklich sehr drüber gefreut!!!!

Hier enden die Berichte von Stefan und Verena.

Bilder zu diesen Reiseberichten:
Mongolei: Transsibirische Eisenbahn - mit unseren beiden Mongolinnen Russland: Bettler in Moskau mit unseren Rucksack und unseren alten Klamotten von der Weltreise Mongolei: Stefan liest  im Zug Russland: Stefan mit dem Moskva Fluß und dem Kreml im Hintergrund Russland: Kanone im Kreml Russland: Am Roten Platz in Moskau Russland: Einer der Zwiebeltuerme von Sankt Basils (Innenansicht) Russland: Sankt Basils am Roten Platz in Moskau China: Bahnhof in Peking Russland: Im Kreml in Moskau Russland: Roter Platz in Moskau Russland: Im Kreml Russland: Glockenturm am Roten Platz in Moskau Mongolei: Stefan schlaeft im Zug Mongolei: Verena schlaeft im Zug Österreich: Ueberraschungs Party nach unserer Rueckkehr Russland: Verena und Stefan am Roten Platz vor St. Basils Russland: Der Kreml mit dem Moskva Fluß im Vordergrund Österreich: Heimkehr der Weltreisenden Russland: Gigantische Bauwerke im Kreml in Moskau Russland: Kirche im Kreml / Moskau Mongolei: Transsibirische Eisenbahn mit einer Japanerin Mongolei: Unsere Freundinen kommen nach 3 Jahren heim Russland: Kreml 13 Russland: Kreml 8 Russland: Kreml 5 Russland: Kirche Sankt Basils Russland: Kreml 7 Russland: Church of Christ the Savior1 Russland: -Die- Kirche Russlands, Sankt Basils in Moskau


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