Die Reise mit dem Gleitschirm um die Welt
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Tag 130, 15.06.2001, sonnig und gewittrig, 30 Grad
Nach einer Luxusnacht in Rodrigos Elternhaus gabs ein Frühstück wie schon lange nicht mehr. Die beiden Hausmädchen tischten uns alles auf, was wir nur haben wollten. Danach holten wir noch zwei Freunde von Rodrigo am Flughafen ab (sie kamen mit ihrem eigenen Privatflugzeug) und wir gingen zum Fliegen. Der Flug war recht sportlich, 6 m steigen bis an die Basis. Doch leider schon wieder zu gewittrig und so gingen wir zum Landen. Die 3 Drachenpiloten landeten ca. eine Stunde später, zu spät! Der Wind war bereits viel zu stark und so knallten sie alle ziemlich ein am Landeplatz. Zwei gebrochene Steuerbügel und einige Kratzer am Helm. Zum Glück gabs keine Verletzungen. Am Abend waren wir im Kino, ("Valentinstag" oder so ähnlich). Ein Horrorfilm und Verena konnte nur die halbe Zeit hinsehen. Danach gings in eine SAUTEURE Bar bis 3 Uhr morgens.

Tag 131, 16.06.2001, bewölkt und windig, 28 Grad
Kein Flugtag, der Wind war einfach zu stark. So gingen wir wieder einmal in ein teures Restaurant zum Essen. Wir nahmen das Billigste und zahlten so nur umgerechnet 30 DM pro Person.

Tag 132, 17.06.2001, sonnig und windig, 34 Grad
Heute war zwar Flugtag, aber heftig. Es ist nur Stefan gestartet, und der flog 200 Meter über dem Startplatz mit 10 km/h rückwärts. So kurbelte er nicht sehr lange und entschied sich mit 70 km/h den Landeplatz anzusteuern. Er begann schon 2 km vorher mit dem abspiralen, um nicht über sein Ziel hinauszuschießen. Danach gings, wieder einmal, zum Essen. Wieder 30 DM für das billigste Essen, ein Salat mit einem Getränk. So ist das nun mal, wenn man Millionärssöhne als Freunde hat.

TAG 133, 18.06.2001, sonnig, 34 Grad
Mit einigen lokalen Drachenpiloten machten wir uns auf den Weg zum Startplatz "La Tinaja", ca. 30 km östlich von Monterrey. Die Fahrt dauerte ca. 2 Stunden und die Straße zum Startplatz war teilweise fast unbefahrbar - ein Adventure-Trip mitten in die Berge! Der Startplatz ist eine wunderschöne Wiese, perfekte Neigung - ABER: er liegt in einer Düse und somit war der Wind bis 55 km/h stark. An einen Start mit dem Gleitschirm nicht zu denken. Die Drachenpiloten flogen alle nach Monterrey zurück. Bis auf Rodrigo: er musste den Pickup wieder runterfahren, denn wir beide wollten das Risiko nicht eingehen, das Auto auf der supersteilen, schlechten Strasse zu schrotten! Efren, einer der Drachenpiloten crashte heute die 2. "Downtube" an seinem ausgeliehenen Drachen! Teurer Ausflug nach Monterrey - 2 Starts - 2 gebrochene Downtubes - eines kostet um die 90 USD!

TAG 134, 19.06.2001, sonnig, 33 Grad
Carols, der Bruder von Rodrigo, hat uns für heute zum Frühstück in ein typisches mexikanisches Restaurant in Downtown eingeladen. War zwar "scharf" aber gut! Zum Abendessen hätte es wahrscheinlich besser gepasst! Anschließend gings nochmal zum Startplatz "El Mirador", direkt über der Stadt. Während wir unsere Schirme auspackten und uns startklar machten, kamen Manuel und Efren mit ihrem Privatflieger und spielten sich vor dem Startplatz, Überflüge in ca. 3 m (keine Übertreibung!) Höhe, direkt vor uns! Danach drehten sie ab und flogen Richtung Mexico City. Wir hatten einen kurzen (40 min.), aber bockigen Flug im Lee, weil der Wind drehte. Verena musste eine Aussenlandung in einem Schulhof (die einzige Möglichkeit mitten in der Stadt) machen. Es rannten über 40 Kinder zu ihr, beobachteten sie beim Schirm packen und stellten viele Fragen! Jetzt kommt noch eine Superstory: Wir werden heute Nacht nach Tijuana, an die Grenze zu den USA fliegen. Ursprünglich wollten wir den Bus nehmen, d.h. 40 Stunden reine Fahrzeit, mind. 3 x Umsteigen, Kosten 1.000 Pesos pro Person, ca. 300,00 DM. Aber Carlos sagte, er könnte da was arrangieren, die Eltern seines besten Freundes besitzen eine Airline und er würde mal nachfragen. Kurzum: Wir bekamen 2 Flugtickets für je 1.000 Pesos (gleicher Preis wie der Bus) und durften unsere Gleitschirme kostenlos mitnehmen (normal Begrenzung auf 25 kg pro Pers.)! Unglaublich, oder? So erreichten wir nach 2:10 Stunden Tijuana! Danke Carlos!

Übrigens noch eine Info, für diejenigen, die sich dafür interessieren: Man hat uns erzählt, dass man in Valle de Bravo 1 kg (!!) Marihuana für 1.000 Pesos (ca. 300 DM) kaufen kann! Es soll jedoch keinenfalls eine Aufforderung zum Konsum sein, wir waren nur erstaunt über den Preis, obwohl wir uns auf diesem Gebiet überhaupt nicht auskennen! In der Nähe von Valle de Bravo befindet sich wohl ein Anbaugebiet, welches man besser auch zum Landen vermeidet, da sich dort massenhaft bewaffnete Personen befinden, die keinen Spaß verstehen und keine Landung mit einem Gleitschirm oder Drachen verzeihen!

TAG 135, 20.06.2001, sonnig, 27 Grad
Pünktlich um 00:20 Uhr landeten wir in Tijuana. Nachdem uns Chris Schragner erst gegen 06.00 Uhr an der mexikanisch-amerikanischen Grenze abholen kann, zogen wir es vor, die Nacht lieber am Flughafen als am größten Grenzübergang der Welt zu verbringen. Wir nahmen uns dann ein Taxi und fuhren zur Grenze. Zu Fuß gings dann zur Immigration, die Beamten staunten nicht schlecht über unser Gepäck! Aber es funktionierte einwandfrei und wir bekamen ohne Probleme unser 3-Monats-Visum in den Pass gestempelt. Am Ausgang wartete Chris bereits auf uns. Er ist ein Wiener, der seit 17 Jahren in den USA lebt. Auf der NOVA Homepage hat er über uns gelesen und hat uns zu sich eingeladen! Wir sind sehr herzlich empfangen worden und freuen uns über die österreichische Gastfreundschaft - DANKE CHRIS! Gegen 17.00 Uhr hoben wir bereits zum ersten Mal von amerikanischen Boden ab. Bobby und Amy, ein Akropiloten-Ehepaar haben uns mitgenommen zum Fliegen. Leider war es ziemlich stabil und so reichte es nur zum Soaring am Startplatz mit anschließendem Toplanding - aber das dafür bis zum Sonnenuntergang! Anschließend luden uns die beiden noch zum BBQ ein und wir vergnügten uns im Swimmingpool und im "Hot Tub" (Whirlpool mit ca. 39 Grad). Nachdem es bereits spät war, entschlossen wir uns, gleich bei ihnen zu übernachten! Danke auch an Amy und Bobby für ihre Gastfreundschaft!

TAG 136, 21.06.2001, sonnig, 26 Grad
Nach einem späten und ausgiebigen Frühstück haben wir uns mit Amy, Bobby und Pablo Lopez aus Argentinien (einer der besten Akropiloten der Welt und Mitglied im S.A.T.-Team der Rodriguez-Brüder) einige Videos übers Akrofliegen angeschaut. Kein Wind heute - also gings nach dem Lunch wieder in den Swimmingpool und später zum Beach. Abends war ein BBQ auf "Fiesta Island" am Beach angesagt: typisch amerikanisch mit Marchmellows, Schokolade und Keksen - gut für unsere Figur! Aber Stefan hat bereits 4 kg abgenommen, da ist schon mal wieder eine gescheite Kalorienbombe angesagt! Auf dem Heimweg haben wir noch die Firma von Chris (Gourmet-Spezialitäten-Service) angeschaut.

TAG 137, 22.06.2001, sonnig, 28 Grad
Heute sind wir zum ersten Mal seit 5 Monaten wieder selber autogefahren! Ein komisches Gefühl! Chris hat uns seinen Zweitwagen zur Verfügung gestellt und los gings - einfach quer durch die City. Außerdem haben wir uns den "Autotrader" gekauft, denn wir wollen endlich unabhängig sein und ein eigenes Auto fahren!

TAG 138, 23.06.2001, sonnig, 32 Grad
Samstag - Wochenende - Fliegen, was sonst??!!! Um 09.00 Uhr gings los in Fluggebiet "Lake Elsinore". Ein super Fluggebiet, man kann hier mit der Konvergenz (Wind aus der Wüste trifft auf Wind vom Meer) Streckenfliegen. Doch leider zu spät für heute - am Startplatz hat es bereits Rückenwind. Also kurzerhand alles in den Van geschmissen und weiter ging nach San Bernardino, ins Fluggebiet "Marshalls". Hier trafen wir uns mit Amy, Bobby und Pablo Lopez. Stefan und ich hatten einen schönen Tandemflug, Chris hat uns seinen Schirm geliehen. Wir beobachteten die drei "crazy dudes" beim SAT und Pablo mit seinem ganzen Programm, das er in 10 Tagen in Aspen beim RED-BULL Akrobewerb vorführen will. Er fliegt einen Boomerang XS und dieser ist die meiste Zeit irgendwo unter ihm - quasi "up side down", wie die Amis sagen. Am Abend gingen wir auf die "Shooting Range", da Chris sich eine neue Pistole gekauft hat und diese ausprobieren wollte. Stefan und ich durften auch mal schießen, wir hatten noch nie eine Pistole in der Hand! Stefan zeigte eine unwahrscheinliche Zielsicherheit - woher er das wohl kann??!!! Nach 420 km Autofahrt quer durch southern Californias Fluggebiete sind wir um 22.30 Uhr wieder zuhause angekommen. Chris (er ist Gourmet-Koch) tischte uns ein gewaltiges Abendessen auf - Fleischspieße und grünen Spargel vom Grill, dazu Tomatenreis und BUDWEISER - welcome to America!

TAG 139, 24.06.2001, sonnig, 33 Grad
Natürlich wieder Fliegen: Zu Anfang "Lake Elsinore", heute hatte es bereits schon wieder Rückenwind, obwohl wir noch früher dran waren, als gestern. Sehr ungewöhnlich, laut der lokalen Piloten. Stefan und ein weiterer GS-Pilot hauten sich in der einzigen fast-null-wind-phase raus und rannten und rannten und flogen! Später kam noch ein Drachenpilot auf die Idee, bei 15 km/H Rückenwind zu starten - Hara-kiri - aber er schaffte es! So konnte Stefan einen bockigen 2-Stunden-Flug genießen. Leider versagte sein Funkgerät, als ihm die einheimischen Streckenpiloten erklären wollten, wie man die Konvergenz erkennt und wo man mit ihr hinfliegt (nicht einfach, viele private Flugplätze und militärisches Übungsgebiet). Die beiden anderen Piloten in der Luft waren keine Hilfe, da der Drachenpilot Akrofliegen für den Bewerb in Aspen trainierte und der GS-Pilot ein Anfänger war, der nur zum Landeplatz flog. So landete Stefan am Landeplatz beim See und weiter gings zum nächsten Fluggebiet - "Torrey Pines" , einem Soaringgebiet an der Küste von San Diego City. Hier herrschte viel Flugbetrieb, Sonntagnachmittag, aber die Bedingungen waren superzäh. Also nochmal eingepackt und zusammen mit einigen Freunden von Chris sind wir nach "Blossom Valley" gefahren. Dort waren wir bereits am ersten Tag. Heute waren jedoch die Bedingungen eindeutig besser und so konnten wir den Talsprung zur Bergkette wagen. Kurz vor Sonnenuntergang durfen wir noch die "MAGIC-AIR" fliegen: die kältere Luft vom Meer strömt ins Tal und hebt dort die warme Luft, Ergebnis: plötzlich gehts überall und im butterweichen Steigen kann man bis in den Sonnenuntergang fliegen! War unglaublich schön! Im Sonnenuntergang war Toplanding angesagt, um einen Absaufer und weitere 45 min. Autofahrt zu vermeiden. Heute warens wieder 380 km auf der Straße - nur zum Fliegen! Es war superschön - vielen Dank an Chris!!!!!

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Bilder zu diesen Reiseberichten:
USA: Blick vom Startplatz auf Monterrey (Richtung NW) Mexiko: Blick vom Startplatz auf Monterrey (Richtung NO), Mexiko Mexiko: Landeplatz -Plaza Fiesta- GS und HG in Monterrey/Mexico USA: Startplatz Lake Elsionore Mexiko: Verena fliegt in Valle de Bravo, Mexico Mexiko: Startplatz La Torre, Valle de Bravo/Mexiko USA: Kuss am Startplatz Lake Elsinore, Californien Mexiko: Landeplatz von -Valle de Bravo- (links im Bild) Mexiko: Stefan und seine kleinen Landeplatzhelfer


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