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Hubert Rofner und ich, Marita, waren unabhängig voneinander wieder in Giurgiu.
Hubert hat mit seinem Patenkind Robert und den anderen Kindern den Geburtstag gefeiert. Es war sehr schön, sagten die Kinder. Und die Stiefel und die anderen Geburtstagsgeschenke wurden mir jeden Tag wieder gezeigt.

Ich blieb 2 Wochen mit den Kindern im Haus. Dabei konnte ich das Personal besser kennen lernen, sehen welche Dinge im Haus fehlen ( z. B. großer Einbauschrank, 430€), den Kindern helfen ihren Alltag besser zu organisieren, das Haus wohnlicher gestalten und Kontakte zum Jugendamt/Ministerium pflegen.
Vom Personal wurde ich gebeten die Kinder in die Richtung zu lenken, dass sie das Personal mehr respektieren.

Im Casa Speranta haben wir jetzt ein Esszimmer wo alle Kinder gemeinsam mit dem Personal am Tisch essen können, ein Wohnzimmer und 3 bunte Kinderzimmer mit Postern und Donald Duck-Figur an der Wand.
Es ist nicht leicht 8 gleich-gescheite Kinder unter einen Hut zu bekommen. Wir hatten unsere guten und schlechten Zeiten. Doch es war mir wichtig die Kinder zu stärken, ihnen Liebe zu geben und trotzdem Grenzen zu setzen. Es fing an beim gemeinsamen Essen an einem Tisch, ging weiter mit Einhaltung von Ausgangszeiten und das Umgehen mit Zornausbrüchen. Wir gingen täglich gemeinsam spazieren und die Kinder konnten sich dabei austoben und aussprechen. Ich sprach mit dem Personal, dass sie den Kindern freiwillig mehr Freiraum einräumen, aber Wert auf pünktliche Rückkehr legen sollen.

Es war schwierig mit beiden Seiten und an manchen Abenden dachte ich mir vor dem Schlafengehen: Jetzt werden sie mich hassen. Doch der nächste Morgen zeigte mir, dass wir uns besser verstanden. Es gab viele Gespräche (ein Mix aus deutsch, rumänisch, englisch, Händen und Füßen) auch viele Belohnungen und so langsam „lösten sich die Knoten“. Romica kam pünktlich nach Hause und sagte es mir natürlich auch. Mihai kam nach der Schule auch gleich heim und war nicht mit „Freunden“ unterwegs. Robert, Marian, Mihai und Daniel machten nicht mehr ins Bett. Florentina, Robert und Daniel taugte der Mittagsschlaf und oft kamen auch Kinder von der Organisation Bethel auf Besuch, die uns gegenüber ein Haus haben. Einige dieser Kinder gehörten auch früher zu unserer Kindergruppe in Oinacu. Somit sind sie so etwas wie fast „Geschwister“ für unsere Kinder. Sie halten auch zusammen, tauschen Spielsachen aus, teilen Süßigkeiten und spielen gemeinsam. Das gemeinsame Basketballspiel im Sommer war wohl auch auf Zeit gesehen, sehr hilfreich.

Das Abendessen verlegten wir vor, dadurch konnten alle ein wenig früher ins Badezimmer und dann zu Bett gehen. Das war auch lustiger, weil die Kinder eine neue Kuscheldecke, ein Buch oder den Game boy und eine Leselampe am Bett hatten.
Jedes Kind hat nun seinen eigenen Schrank und 2 Regalfächer für Schul- und Spielsachen. Somit werden wohl die Kämpfe um das richtige Gewand aufhören. Und ich hoffe, alle finden nun auch rechtzeitig ihre eigenen Schulsachen.

Wir holten aus dem Waisenhaus Oinacu die Voglauer Möbel von unserem vorletzten Transport ab, putzten sie gemeinsam mit dem Hochdruckreiniger, nun ist unser Casa Speranta etwas bunter. ( Wisst ihr was Kinder die aus der Schule kommen tun, wenn sie sehen, dass eine frisch gereinigte, nasse, helle Couch auf der Terrasse steht?.........)
Wir räumten die letzten Überbleibsel der Renovierung aus dem Garten, putzten den Mörtel mit dem Hochdruckreiniger von den Terrassensteinen, gingen täglich gemeinsam auf den Markt Gemüse und Obst kaufen und richteten dann auch gemeinsam den Salat her. Irgend etwas war anders als sonst..... Und das Personal wurde auch ruhiger, zufriedener und glaubt nun an die Zukunft.

Als besondere Belohnung gab es dann ein Radio mit Kassettenrekorder für ein Kinderzimmer und für das andere Kinderzimmer ein Radio mit CD-Player. Nun hören sie Tag und Nacht den Song: Du bist so weit, weit weg von mir.............Am vorletzten Abend machten sie dann eine Disco mit Musik, farbigem Licht, Salzgebäck und Fanta. Toll!

Am letzten Abend lud ich sie in eine Pizzeria ein. Zuerst konnte es der Wirt gar nicht glauben, dass unsere Kinder dort essen wollen. Die Ablehnung ( gegen Kinder aus einem Waisenhaus) war (zum Glück nur für mich) greifbar. Das wird noch lange ein Problem bleiben und begleitet uns ständig. Manchmal sind die Leute neidisch, weil es diese Kinder vielleicht materiell besser als ihre eigenen Kinder daheim haben, meistens sind es jedoch Vorurteile.
Der größte Wunsch der Kinder ist jetzt, dass sie in den Weihnachtsferien nach Österreich kommen können. Zu ihren Familien. Wer kann uns finanziell bei den Reisekosten unterstützen? Die Kinder haben jetzt „ihre“ Familien 1 ½ Jahre nicht gesehen und haben schon große Sehnsucht.
Ein Danke in eigener Sache an meine Familie, die mir wieder einmal zwei Wochen „Urlaub“ für Casa Speranta gaben.

(c) 2001-2016, Brandlehner